/// Aktuell sind zur inklusiven Bildung ungewöhnliche Töne ausgerechnet aus Sachsen-Anhalt zu hören, aus dem Land, in dem eine mögliche künftige AfD-Regierung die Inklusion in den Schulen beenden will. Dort bekennt sich der Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) jetzt öffentlich zur inklusiven Bildung. Er redet deutlich gegen Separation und verspricht sogar, die AfD-Pläne zu verhindern (obwohl er dazu erst einmal die Landtagswahl am 6. September gewinnen muss).
Es stellt sich nur die Frage: Wie glaubwürdig können solche Worte sein, wenn dahinter gar keine Taten stehen? Und wie gut steht man im Wahlkampf gegen die AfD da, wenn man deren politische Pläne scharf angreift, aber in der praktischen Politik selbst eine ähnliche Politik betreibt?
Noch im Januar hat der sachsen-anhaltinische Bildungsminister Jan Riedel (CDU) angekündigt, dass er wenig Spielraum für mehr Inklusion in regulären Klassen sieht und in Zukunft wieder verstärkt auf die Förderschule setzen will. Im Juni hat die CDU ein Wahlprogramm verabschiedet, in dem sie für Kinder mit Behinderung in erster Linie verspricht, die Förderschulen zu stärken.
Wenn sich daran bis heute nichts geändert hat, bedeutet CDU-Politik in Zukunft für noch mehr Kinder mit Behinderung im Land einen Sonderschulzwang durch die Hintertür: Du darfst zwar zwischen Inklusion und Förderschule wählen, aber auf der Seite der Inklusion gibt es halt kein Angebot. Das schon traditionell CDU-regierte Bundesland ist noch nie durch inklusive Bildungspolitik aufgefallen und hat die höchste Förderschülerquote Deutschlands.
Und jetzt präsentiert man sich dort im Wahlkampf gegen die AfD als Speerspitze der inklusiven Bildung? Das ärgert auf mehrfache Weise: Es ärgert Eltern von behinderten Kindern, weil ihre Hoffnungen im Wahlkampf gegen die AfD instrumentalisiert werden, ohne dass wirklich Verbesserungen geplant sind. Und es ärgert das Wahlvolk, wenn es merkt, dass von dem Kandidaten Werte vertreten werden, die er gar nicht umzusetzen gedenkt. |